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(Nicht) gelesen: R. Scott Bakker – The Judging Eye

tjeyeEin paar Jahre habe ich gebraucht, um The Judging Eye endlich anzufangen, so sehr hatte mich die Vorgänger-Trilogie The Prince of Nothing letztlich unentschlossen entlassen.  Etwa hundert Seiten habe ich dann durchgehalten, bevor ich dann frustriert aufgegeben habe.

Schon in den ersten drei Bänden, also deutlich über tausend Seiten lang, hat Bakker es geschafft, eine atmosphärisch dichte, düstere Welt mit einer facettenreichen Vergangenheit und Mythologie zu erschaffen, und dort dann eine epische Fantasy-Handlung anzusiedeln und eng mit der Welt zu verweben, die sich vor den großen des Genre eigentlich nicht verstecken müsste. Leider kommt die Geschichte stets zäh in Gang, Seite um Seite verbringen seine Charaktere mit Nabelschau, drehen jeden Gedanken drei mal um und tun sonst nicht viel. Zu einem gewissen Grad verdeutlicht das die Macht, welche der unheimliche Gottkaiser über alle hat, die seinen Weg kreuzen, aber am Ende blieb für mich immer das Gefühl, das man dieselbe Geschichte genauso stimmig, aber wesentlich spannender auf einem Drittel ihrer Länge hätte erzählen können.  Mit noch einmal geschätzt 1.900 Seiten vor mir (die letzen beiden Bände sind noch nicht erschienen), erschien mir das dann doch als Verschwendung meiner Freizeit. Schade.

thStattdessen segele ich mit Lucky Jack Aubrey und Dr. Maturin über das Rote Meer. Schon nach dem ersten Absatz fühlte ich mich zu Hause, und der stete Strom an Dialogwitz, interessanten Figuren und tatsächlich fortschreitender Handlung spült mich beim Pendeln
und vorm Einschlafen zuverlässig an den Strand der Glückseligkeit.

Gelesen: Fantastisches

oder zumindest Fantasievolles.

Für jemanden, der keine Fantasy-Romane mag, habe ich in den letzten Monaten ganz schön viele Fantasy-Romane gelesen. Eigentlich, so muss ich zugeben, habe ich ja auch ein Faible für Fantasy, aber es ist halt ein Genre, in dem man etwa 98% der Werke getrost vergessen kann. Wie eigentlich in jedem anderen Genre auch, weswegen ich mich so ungern auf eins festlegen lasse. Kaum spricht sich herum, dass man beispielsweise Krimis mag, bekommt man dann in den nächsten Jahren immer wieder welche zum Geburtstag geschenkt, die Hälfte davon schlecht (schenkende Menschen machen sich ja Gedanken und daher ist die Quote niedriger als beim zufälligen Griff ins Regal der Buchhandlung), aber vom Rest dann 80% aus einem „falschen“ Unter-Genre – ja ja, so was gibt es. Und bei Fantasyromanen ist das genauso, nur VIEL SCHLIMMER.

Ich habe trotzdem ein paar gelesen und mich mitunter gut unterhalten gefühlt, aber auch meine Trefferquote war eher schlecht – und dabei weiß ich zumindest relativ genau, was ich mag. Die klassische Messlatte für Fantasyliteratur ist für die meisten Leser in Deutschland der Herr der Ringe, aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Tolkiens Opus Magnus lebt von seiner Originalität und Detailtreue und ist in Würde gealtert, was ja schließlich einen Klassiker ausmacht, aber ich frage mich, wie die Resonanz wäre, wenn das Buch in jüngster Vergangenheit erschienen wäre. Für Vergleiche taugt es kaum, man käme ja auch nicht auf die Idee, einen heutigen Film an Ben Hur oder Metropolis zu messen.

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