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Jessica Jones

Als Marvel im Jahr 2001 die neue Serie Alias um die Privatdetektivin Jessica Jones auf den Markt brachte, hatte sich der Verlag ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt. Nicht nur musste wegen der allgemeinen Derbheit ein neues Label eingeführt werden, unter welchem Marvel für ein älteres Publikum veröffentlichen konnte, man scheute sich auch dennoch nicht, die neue Reihe lose mit dem bestehenden, meist knallbunten Superheldenuniversum zu verknüpfen. Jessica Jones lebt in derselben Welt wie Spiderman, Thor, Captain America und die Fantastischen Vier.

jessica-jones-aliasDort kramte sie 28 Hefte lang als eine Art weiblicher Sam Spade in den dunkelsten Ecken, soff, rauchte, fluchte und kämpfte, und versuchte, keine Heldin zu sein. Denn darin war sie zuvor gescheitert, noch unter dem Pseudonym Jewel und im aufregenden Superhelden-Outfit. Kann sie fliegen? Es ist „eher eine Art springen“. Ein Auto stoppen? Ja, aber nur „ein langsam fahrendes Auto.“ Vor allem aber hat sie das Gefühl bekommen, nicht zur Heldin zu taugen. Als andere sich noch abmühten, starke Frauen zu etablieren, perfektionierten Brian Michael Bendis (Text) und Michael Gaydos (Zeichnungen) bereits die Stufe, eine glaubhafte weibliche Antiheldin, die ihren Stärken nicht traut und ihre Schwächen wie einen Schild vor sich herträgt.

Nach Alias erschien sie noch, Bendis eigenem Weg zum Chef-Autoren des Marvel-Universums folgend, in der kurzlebigen Serie The Pulse, bis sie dann ein Happy End spendiert bekam.

Und nun hat Netflix diese Figur ins Fernsehen geholt, mit viel Tamtam startete die neue Serie am letzten Freitag und nach fast zehn Jahren Pause war ich äußerst gespannt auf ein Wiedersehen mit Jessica Jones( so auch der Titel, Alias war ja schon belegt). Jessica Jones weiterlesen

Von Helden und phantastischen Welten

In den letzten Jahren bin ich, allen meinen vorherigen Beteuerungen zum Trotz, zum regelmäßigen Fantasy- und Science Fiction-Leser geworden. Ich hatte direkt eine ganze Reihe guter Serien entdeckt, die mich lange mit Lesestoff versorgt hatten, aber momentan ist ein bisschen Ebbe, jetzt müssen die Autoren erst mal nachliefern:

George R.R. Martin-  A Song Of Ice and Fire: ich (und Millionen andere Leser) warten auf Band 6, der  erscheint frühestens irgendwann in 2016

Patrick Rothfuss – The Kingkiller Chronicle: ich (und ein paar hunderttausend andere) warte auf Band drei, der wohl auch irgendwann in 2016 kommt

James S.A. Corey – The Expanse Series: ein Lichtblick, denn Band 5 erscheint in etwa 4 Wochen

Daniel Abraham – The Dagger and the Coin: Band 5 erscheint Anfang 2016

Zwischenzeitlich hatte ich sogar Alastair Reynolds‘ Revelation Space noch mal eine Chance gegeben, aber schon nach ein paar Seiten habe ich mich an denselbe Dingen gestört, wie beim ersten Versuch.

Eine ältere Serie von Daniel Abraham, The Long Price Quartet, rettet mich über die Zeit, ist aber kein Notstopfen, sondern absolut empfehlenswert.

Abseits davon kehre ich scheinbar alle paar Jahre mal wieder zu Superhelden-Comics zurück, wobei es diesmal ausgerechnet der phantastische Avengers-Film war (der erste, den zweiten habe ich noch nicht gesehen), der mich so entzückt hat, dass ich Mark Millars „The Ultimates“ glatt noch mal eine Chance geben wollte, obwohl die Comics schon auf dem „geht nach eBay“-Stapel lagen. Ich kenne kaum einen Comic, der gleichzeitig so brillant und so unterirdisch schlecht ist, selbst nachdem man sich auf eine fragwürdige Prämisse (Probleme löst man am besten Mann gegen Mann, Auge um Auge und Zahn um Zahn) eingelassen hat. Millar, immer schon ein Mann fürs Grobe im Feinen und andersherum, de-konstruiert einerseits das Superhelden-Genre, stellt die Führungsrolle und moralische Integrität der USA in Frage, liefert eine spannende Story mit großen Momentan ab – und scheitert dann doch an Konventionen.
Am Ende finden die Helden Erlösung von allen Zweifeln und Bestätigung ihrer kleinen Eitelkeiten. Dann schenkt der Autor auch noch George W. Bush (bei Veröffentlichung noch amtierender Präsident) einen Gastautritt als echter Kerl. Vielleicht hält der gebürtige Schotte Millar alles andere im Hinblick auf die Hauptzielgruppe (16-20-jährige weiße, männliche US-Amerikaner) für aussichtslos, aber von dieser Seite des Atlantiks und der Altersgrenze wirken The Ultimates halbherzig und letztlich als eine Rechtfertigung, jegliche Kritik an den herrschenden Zuständen beiseite wischen zu können. Man muss sich fragen, was Warren Ellis oder Grant Morrison mit dem Thema angestellt hätten. Oder, dringender noch, was das im Rückblick für Millars eigene Arbeiten an The Authority bedeutet.
Stattdessen freue ich mich jetzt erst mal auf einen neuen Powers-Band von Brian Michael Bendis und Michael Avon Oeming.