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Gelesen: Alfred W. Schwarzmüller – Kreuzberg-Code

kreuzberg-codeDas mit den regionalen Krimis ist ja nun schon ein etwas älterer Trend, der dem geneigten Leser all das Böse der Welt quasi direkt vor die eigene Haustür zaubert. Nun ist Krimi nicht gleich Krimi und Qualität auch in diesem Genre eher dünn gesät. Als (Wahl-)Düsseldorfer hatte ich das große Glück, in den Büchern von Horst Eckert Lokalkolorit und Spannung gleichermaßen genießen zu können. Ansonsten halte ich mich meistens von Lokalkrimis fern.

Meine (gar nicht mehr so) neue Wahlheimat Berlin ist eine Stadt mit vielen Dunklen Seiten und Ecken und wenn man dem Durchschnittsdeutschen das Fremde im eigenen Land vor Augen führen möchte, ist Kreuzberg immer eine gute Leinwand. Kreuzberg-Code, das Romandebüt von Alfred W. Schwarzmüller, setzt bei der Stimmung im besten Sinne auf Altbewährtes. Plot und Sprachstil orientieren sich klar an den Klassikern der amerikanischen Pulp-Romane, Dashiell Hammet lässt da an vielen Stellen grüßen. Ex-Bulle, Privatdetektiv, abgewrackt, hat bei seinem neuen Auftrag von vornherein kein gutes Gefühl, kann aber der eigentlich recht mageren Belohnung und vor allem den großen Augen seiner Klientin nicht widerstehen. Jagt auf den nächsten paar hundert Seiten einen McGuffin, kreuzt den Weg seines alten Intimfeindes und unternimmt eine Tour-de-Force durch dunkle Kapitel Berliner Geschichte.

Alles nicht sonderlich originell, aber gut und unterhaltsam umgesetzt. Keine großen Löcher im Plot, ein bisschen Sex, ein bisschen Gewalt und jede Menge Berlin. Die Dialoge sind ok, bei der inneren Stimme des Protagonisten überrascht der Autor mit ein paar tollen Wortschöpfungen und Satzkonstruktionen.

Es klang ganz interessant, dieses Kreuzberg. Nachdem ich das Buch beendet hatte, schwang ich mich direkt aufs Fahrrad und fuhr mal hin, in diese fremde Welt, ca. tausend Meter die Straße runter.

PS: Leseprobe und etwas merkwürdig vorgelesenes Promovideo gibt es auf der Webseite des Verlags: http://www.emons-verlag.de/programm/kreuzberg-code

Eilmeldung: Kapitalismus immer noch da, Alternativen weiterhin attraktiv für Alternative

Also alles wie vorher? Vermutlich ja. Das Liebig 14 wurde geräumt, es gab einige Verletzte und Festnahmen, wir sind unbeschadet durchgekommen. Ein paar mal war ich näher dran, als ich sein wollte, aber wenigstens die Kinder haben nichts davon mitbekommen, außer dass viele Polizeiautos im Kiez unterwegs waren.

Zwei Fotos habe ich gemacht, die zeige ich Euch später.

Morgen wird der Kapitalismus abgeschafft. Oder die Alternative.

Morgen soll bei uns in der Nachbarschaft, in der Liebigstraße 14, ein ehemals besetztes Haus geräumt werden. Die Besetzer sind längst legalisiert, haben 1992 Mietverträge geschlossen. Seitdem hat aber nicht nur der Eigentümer gewechselt, auch die offiziellen Mieter wohnen angeblich (höchst wahrscheinlich) nicht mehr dort. Nun ist im Januar der letzte Versuch gescheitert, eine Räumung auf juristischem Weg zu verhindern. Echte Verhandlungen zwischen den Parteien hat es, so wird jedenfalls auch in den „bürgerlichen Medien“ berichtet, nie gegeben.

Vordergründig ging es bei der Kündigung der bestehenden Mietverhältnisse um eine unerlaubt eingebaute Tür, die auch den Hausbesitzern und deren Beauftragten den Zugang zum Gebäude versperrte. So was geht natürlich nicht, aber in Wirklichkeit geht es Vermietern und Bewohnern um etwas anderes.

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Dieses Jahr schon wieder Winter in Berlin?

Das Jahr geht zu Ende und völlig überraschend kommt der Winter zurück, frecherweise direkt mit Schnee. Der Berliner an und für sich und der öffentliche Nahverkehr im besonderen reagieren plangemäß mit Panik, Unvermögen und Idiotie. Von allen, die sich dumm (an-)stellen, bekommt die S-Bahn die schlechteste Öffentlichkeit, da das Chaos von Ende 2009 den Hauptstädtern noch in guter Erinnerung ist.

Jetzt hat es sich halbwegs beruhigt, die S-Bahn fährt auf Hauptstrecken wieder in einem halbwegs vernünftigen Takt, wenn auch mit kurzen Zügen, da soll es wieder schneien. Aber der Tagesspiegel schreibt, die S-Bahn sei vorbereitet.

So so, dann haben wohl schon eine Pressemitteilung in der Schublade, dass trotz aller Bemühungen der Betrieb eingestellt werden musste, es sei einfach die falsche Sorte Schnee gefallen.