Admirals Order: Close Action

Nachdem wir die Grundprinzipien des Spiels jetzt mehr oder minder gemeistert  hatten, gab es jetzt Gelegenheit,  eine weitere Regelebene kennenzulernen: den Kampf zweier Schiffe auf engstem Raum. Dafür gibt es in der Einsteigerbox ein gut geeignetes Szenario. Am 21. April 1798 versuchte das französische Linienschiff Hercule (74 Kanonen) die englische Blockade um Brest zu durchbrechen, um die dort liegende Flotte zu verstärken. Wegen der starken Strömung konnte die Hercule die Fahrrinne an der Mündung der Seine nicht passieren, bevor die englischen Verfolger zu ihr aufschließen, und Kapitän L’Héritier entschloss sich, in der Passage zu ankern, um in guter Verteidgungsposition den  Angriff der Mars (74) und der weit zurückliegenden Jason (38) abzuwarten.

Mehr zum historischen Hintergrund gibt es bei Wikipedia.

Das an dieser Stelle einsetzende Spielszenario ist auf vier Runden beschränkt, das entspricht zwei Stunden im Spiel, hinterherhängende  englische Verstärkungen spielen daher keine Rolle. Es bleibt ein ausgeglichener Kampf zwischen zwei gleichstarken Schlachtschiffen. Wird es den Franzosen zum Vorteil gereichen, dass sie zu Beginn in der starken Strömung vor Anker liegen?

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Jessica Jones

Als Marvel im Jahr 2001 die neue Serie Alias um die Privatdetektivin Jessica Jones auf den Markt brachte, hatte sich der Verlag ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt. Nicht nur musste wegen der allgemeinen Derbheit ein neues Label eingeführt werden, unter welchem Marvel für ein älteres Publikum veröffentlichen konnte, man scheute sich auch dennoch nicht, die neue Reihe lose mit dem bestehenden, meist knallbunten Superheldenuniversum zu verknüpfen. Jessica Jones lebt in derselben Welt wie Spiderman, Thor, Captain America und die Fantastischen Vier.

jessica-jones-aliasDort kramte sie 28 Hefte lang als eine Art weiblicher Sam Spade in den dunkelsten Ecken, soff, rauchte, fluchte und kämpfte, und versuchte, keine Heldin zu sein. Denn darin war sie zuvor gescheitert, noch unter dem Pseudonym Jewel und im aufregenden Superhelden-Outfit. Kann sie fliegen? Es ist „eher eine Art springen“. Ein Auto stoppen? Ja, aber nur „ein langsam fahrendes Auto.“ Vor allem aber hat sie das Gefühl bekommen, nicht zur Heldin zu taugen. Als andere sich noch abmühten, starke Frauen zu etablieren, perfektionierten Brian Michael Bendis (Text) und Michael Gaydos (Zeichnungen) bereits die Stufe, eine glaubhafte weibliche Antiheldin, die ihren Stärken nicht traut und ihre Schwächen wie einen Schild vor sich herträgt.

Nach Alias erschien sie noch, Bendis eigenem Weg zum Chef-Autoren des Marvel-Universums folgend, in der kurzlebigen Serie The Pulse, bis sie dann ein Happy End spendiert bekam.

Und nun hat Netflix diese Figur ins Fernsehen geholt, mit viel Tamtam startete die neue Serie am letzten Freitag und nach fast zehn Jahren Pause war ich äußerst gespannt auf ein Wiedersehen mit Jessica Jones( so auch der Titel, Alias war ja schon belegt). Jessica Jones weiterlesen

Gelesen: The Sleeper and the Spindle, von Neil Gaiman

Nachdem es jetzt schon fast ein Jahr im Regal stand, habe ich heute das äußert dekorative Büchlein The Sleeper and the Spindle von Neil Gaiman, illustriert von Chris Riddell, auch mal gelesen – einfach zwischendurch, binnen etwa einer Stunde.

Märchen-Mashups sind ja seit ein paar Jahren groß in Mode und Gaiman hat mit seinen Arbeiten wie Sandman oder American Gods immer wieder bewiesen, wie stilsicher er sich der Elemente klassischer Geschichten erzählerisch bewegen kann.

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Admiral’s Order: Action Report

Dieses Jahr war zu ersten Mal seit etwa 20 Jahren wieder auf der Spielemesse in Essen. Dieser Ausflug wird mir lange im Gedächtnis bleiben, nicht zuletzt weil ich mit drei Begleitern die Übernachtungsmöglichkeit bei meinen Eltern wahrgenommen habe und einer davon zumindest nach dem ersten Schnaps nicht einfach so an einem Klavier vorbeigehen kann, ohne eine kleine Kostprobe zu geben.

Auf der Messe habe ich mir dann vor allem Admiral’s Order angeschaut, darauf war ich neulich bei einer Recherche gestoßen und sowohl das Setting, als auch die Spielmechanik und der Anspruch auf Realismus hatten mich neugierig gemacht. Das tolle an der Messe ist ja, dass man da fast alles probespielen kann und eine etwa dreistündige Partie hatte mich dann auch so weit überzeugt, dass ich mir das Spiel gekauft habe.

Nun habe ich erst mal eine Partie gegen mich selbst gespielt, um mal ein bisschen tiefer in die Mechanismen und Regeln einzutauchen.  Admiral’s Order: Action Report weiterlesen

Gelesen: Funny Girl, von Nick Hornby

Funny-GirlNick Hornby hat, wieder einmal, aus seinen eigenen nostalgischen Erinnerungen ein Buch gemacht, dass sicherlich seine Leserschaft vor allem unter Engländern einer gewissen Altersgruppe (nämlich der des Autors selber) findet. Die gute alte Zeit spielt stets eine Hauptrolle in seinen Romanen, sei es indirekt, wie bei dem großen Kind, das nicht erwachsen werden möchte, in About A Boy, oder direkter bei Schwelgereien in Erinnerungen in High Fidelity, Fever Pitch und eben jetzt Funny Girl, einer Geschichte voller Erinnerungen an die BBC Sitcoms der sechziger Jahre.

Aber Hornbys Nostalgie ist nie verklärend oder harmlos, sondern immer bittersüß und vielschichtig. So kontrastiert auch die Geschichte des Mädchens Barbara aus Blackpool, das nichts anderes möchte, als Menschen zum Lachen zu bringen, ein buntes Bild der Swinging Sixties mit einer grundkonservativen Umgebung und deren ganz eigenen Erwartungen an junge Frauen und ihre Rollen im Fernsehen und der Gesellschaft.

Das Ergebnis ist, wieder einmal, ein kurzweiliges, lustiges Buch, das nie wirklich tiefgründig wird, aber nachdenkliche Passagen in verträglicher Länge und an den richtigen Stellen enthält. Zeit- und Lokalkolorit werden schon stimmen, ich war ja nicht dabei, damals im London der Sechziger. Und, wie eigentlich auch immer bei Hornby, gibt es ein Happy End mit Abstrichen. Ein tolles Buch für den Urlaub, für das ich unseren einzigen Strandtag gut und gerne genutzt habe.

Alles und nichts aus meiner Welt. Viel Unsinn aus dem Rest des Universums. Und aus Berlin.