Archiv der Kategorie: Bücher

Gelesen: Rachel Joyce – The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry

Oha, da habe ich jetzt mit meiner Rezension so lange gewartet, dass ich mich an das Buch kaum noch erinnern kann. (Dafür besteht hier aber ausnahmsweise mal Spoiler-Alarm!)

Ich weiß noch, dass es mich irgendwie berührt hat. Ich weiß weiterhin, stets den Eindruck gehabt zu haben, dass das Buch genau darauf ausgelegt war, Leute zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Ich erinnere mich an das stete Gefühl, das Buch wolle mir irgendeine positivistische Botschaft geben, und das mich das manchmal mehr, manchmal weniger genervt hat.

Außerdem fragte ich mich, warum verstorbene Kinder in englischsprachigen Büchern so oft David heißen, ausgerechnet. Das gefällt mir nicht.

Gelesen: Unvollendetes

Hier war es in den letzten Monaten so still, dass man meinen könnte, es sei nichts passiert. Das stimmt nicht, vielmehr fehlen mir Zeit, Energie und vielleicht auch ein bisschen das Mitteilungsbedürfnis, um regelmäßig zu schreiben. Weihnachten (schön, aber offline), Fußball (Dortmund Tabellenletzter!) und immer wieder die Kinder (gesund und munter, aber voll in den Alltag integriert) boten sich als Themen nicht genug an oder vergingen, bevor ich zum Schreiben kam. Das allgemeine Glück und Unglück der Welt, die Arbeit, das Schreckgespenst Pegida, das alles kann ich auch genau dann immer nicht in Worte fassen, wenn ich mal ein paar Minuten Zeit habe.

Bücher, so sollte man meinen, Bücher gehen immer. Aber die letzten Monate habe ich dann doch zumeist triviales gelesen, vor allem Fortsetzungen. Zunächst die die nächsten drei Bände der Expanse-Reihe, deren ersten Teil ich hier schon mal bejubelt hatte. Das kommt jetzt übrigens ins TV:

Die Bücher machen weiter Spaß, aber jetzt ist erst mal Warten angesagt, bis im Sommern Band 5 erscheint.

Nach Ersatzunterhaltung musste ich nicht lange suchen, hat doch die eine Hälfte des verantwortlichen Autorenduos direkt zwei Fantasy-Serien anzubieten.

A Shadow in Summer, von Daniel Abraham

Mit seinem ersten veröffentlichten Roman startete der Viel- und Schnellschreiber direkt eine Tetralogie über Liebe, Verrat und Magie. Der erste Band hat mir gut gefallen, ohne dass ich jetzt aber allzuviel dazu sagen kann. Gut gemachte, aber weitestgehend belanglose Unterhaltung. Ich hätte jedenfalls sofort mit der nächsten Folge wetergemacht, hätte ich nicht noch den ersten Teil seiner nächsten Bücherreihe auf dem Kindle gehabt.

The Dragon’s Path, von Daniel Abraham

dragonspathDas war nämlich genau die Art von Buch, die ich brauchte, um mir das Warten auf die nächsten Teile des Song Of Ice and Fire und der Kingkiller Chronicles zu verkürzen, jenen beiden Serien, die mich wieder zum Fantasy-Leser gemacht haben und deren Fortsetzungen ich herbeisehne.

Abraham folgt auch recht deutlich dem Muster von George R. R. Martin, aus dessem schöpferischem Umfeld er auch kommt: er erzählt, wie Martin in A Song Of Ice And Fire, eine weltumspannende Geschichte von Krieg, Verrat, Rache und Drachen, und zwar – wiederum wie Martin – aus verschiedenen Blickwinkeln, mit hohem Tempo und viel trockenem Humor. Dabei verbindet er gekonnt klassische Fantasy-Elemente mit einer plausibel klingendem Welt, die es dem Leser leicht macht, sich in ihr zurecht zu finden und die fantastischeren Beilagen zu akzeptieren.

Das hat so einen Spaß gemacht, dass ich die ersten vier Bände am Stück verschlungen habe, mit dem ironischen Ergebnis, jetzt auch hier auf die Fortsetzung warten zu müssen.

Ansonsten habe ich angefangen, alte Comics noch mal zu lesen und nebenbei ein bisschen auszumisten. eBay sei Dank, habe ich jetzt wieder ein bisschen Platz im Regal.

Gelesen: Zukünftiges

Unter all den Genres, die ich normalerweise öffentlich meide, hat Science Fiction-Literatur lange eine Sonderrolle eingenommen, da ich nicht einmal heimlich unter der Bettdecke einen Vertreter dieser Gattung gelesen habe. Erst in den letzten Monaten habe ich noch mal einen Versuch unternommen und habe dabei einigen Spaß gehabt.

Revelation Space, von Alastair Reynolds

Revelation_Space_cover_(Amazon)In dieser klassischen „Space Opera“-Serie erzählt der walisische Autor Alastair Reynolds von den Spätfolgen eines jahrmillionenalten, galaxieumspannenden Konflikts. Die Menschheit hat die Grenzen unseres Sonnensystems und in mancher Hinsicht auch der sterblichen Hülle überwunden und einige ferne Welten besiedelt. Raumschiffe mit beinahe-Lichtgeschwindigkeit verkürzen die Reisezeit zwischen den Sternen auf wenige Jahre, und Lebensverlängerungstherapien oder Kälteschlaf machen interstellares Hin- und Herreisen innerhalb eines Menschenlebens möglich. Dabei bleibt das Weltall zum einen ein großer, leerer Raum, andererseits auch Quell steter Bedrohungen. Immer wieder finden sich Hinweise auf die Auslöschung ganzer Zivilisationen durch die unheimlichen „Inhibitoren“.

Reynolds zentrale Themen, die in den Büchern immer wieder vorkommen, sind Identität, Interaktion zwischen Individuen, Kollektiven und Maschinen, sowie das Auseinanderdriften von körperlicher Existenz und Bewusstsein.

Die Bücher, anderthalb und ein Prequel habe ich geschafft, sind voll phantastischer Ideen, von denen manche bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Der Autor bemüht sich, die Grenzen der Physik nicht all zu weit zu dehnen und die gezeigte Zukunft plausibel zu halten.

Leider können die Charakterisierung der handelnden Personen und vor allem die oft zähen Dialoge nicht mithalten und schmälerten mein Lesevergnügen erheblich. Zwar gelingt es Reynolds, eine stets bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen und aufrecht zu erhalten, aber die in seiner Welt agierenden Personen wirken oft holzschnittartig, die Handlung trotz des phantasievollen Rahmens vorhersehbar. Hintergrundwissen wird öfter mal als Frontalvortrag in Dialogszenen eingebaut und auch als wortkarg und nüchtern beschriebene Charaktere benötigen schon mal mehrseitige Monologe, um sich auszudrücken. Daher konnte ich mich etwa bei der Hälfte des zweiten von drei Bänden der Reihe, die unter anderem von einer Reihe Kurzgeschichten ergänzt werden, nicht mehr zu Weiterlesen aufraffen.

Leviathan Wakes, von James S. A. Corey

Leviathan_Wakes_(first_edition)Ganz anders diese Zusammenarbeit von Daniel Abraham und Ty Franck unter dem gemeinsamen Pseudonym James S. A. Corey.

Atemlos, actionreich und pointiert erzählen die beiden in mittlerweile vier Büchern eine unterhaltsame Abenteuergeschichte aus der gar nicht fernen Zukunft, in welcher die Menschheit zwar nicht zu fremden Sternen gereist ist, sich aber in unserem Sonnensystem ein wenig ausgebreitet hat. Auch mit dieser Prämisse umschiffen die Autoren ja gekonnt die uns als gesetzt bekannten Beschränkungen im Hinblick auf das schnelle Reisen durch den Weltraum, und trotzdem ist das Feld groß genug für allerlei Erlebnisse. Obwohl Teile der  Handlung auch problemlos in ein anderes Setting verpflanzt werden könnten, werden Themen wie technologischer Fortschritt, gesellschaftlicher Wandel und vor allem das Reisen in Raumschiffen hinreichend plausibel beschrieben, ohne dabei unnötig detailliert zu werden.

Vielleicht ist es gerade das gemeinsame Schreiben, welches hier das Tempo befördert und unnötigen Ballast verhindert. Man merkt auch deutlich, dass die Handlung der Bücher am Reißbrett geplant und nichts dem Zufall überlassen wurde. Dabei wirkt das Ergebnis aber nie künstlich hingebogen, sondern als würden die Einzelteile ganz natürlich zusammenpassen.

Die Charaktere sind soweit vom Klischee entfernt, dass es niemandem peinlich sein muss, sie zu mögen, aber Charakterentwicklung nimmt im Vergleich zur Handlung auch klar eine untergeordnete Rolle ein. Captain Holden und seine Crew tragen die Geschichte nicht, aber sie haben mich gut mitgenommen.

Comic-Überblick 2014 (Teil2)

In meinem vorigen Artikel hatte ich noch angekündigt, Northlanders nun doch weiterlesen zu wollen, nun musste ich feststellen, dass die nächsten Bände vergriffen sind und bislang nicht neu aufgelegt wurden. So kann es gehen; 5 Jahre ignoriert, 1 Jahr im Schrank gehabt, ein paar Tage begeistert gewesen und dann eben 1 Jahr gezögert – jetzt ist es zu spät.

Aber ich hatte noch ein paar gute Titel im Schrank.

Daytripper

Dieser hochgelobte Comic der brasilianischen Zwillingsbrüder Fábio Moon und Gabriel Bá hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Wäre es ein Film, hätte ich vermutlich nach einer Viertelstunde ausgeschaltet. Sanfte, langsame Meditationen über das Leben, die natürlich keine Antworten geben können, sondern Anlass zur Reflektion bieten möchten, sind nicht so meine Sache. Der Comic hat mich dann aber doch zwar nicht gepackt, aber berührt.

Nowhere Men

NWM_01„Science is the New Rock ‚N‘ Roll!“ Auf mehreren Zeitebenen erzählen Eric Stephenson (Text) und Nate Bellegarde (Zeichnungen) die Geschichte von vier jungen Wissenschaftlern, die mit ihren Entdeckungen und Erfindungen die Welt verändern, und wie ihr Konzern World Corp. und ihre Freundschaft daran zerbrechen. Band 1 ist gut erzählt und gezeichnet, allerdings so in sich geschlossen, dass ich mich frage, was der Autor in Band 2 überhaupt noch vorhat. Nicht die schlechteste Prämisse für eine Fortsetzung, jedenfalls aus Marketing-Sicht. Allerdings ist die Zukunft der Serie derzeit ungewiss, was aber, eben weil der erste Teil so schön rund ist, Euch nicht vom Lesen abhalten sollte.

Thief of Thieves

Schade, schade, ich kann mich dunkel erinnern, dass der mir gefallen hat. An mehr aber nicht. Die Prämisse, Meisterdieb will aussteigen, ist nicht sehr originell, aber es war wohl gut gemacht. Glaube ich. Muss ich wohl noch mal lesen.

Sweet Tooth

Hat mich nicht vom Hocker gehauen und ich habe nicht rausgekriegt, woran es lag.

Scene Of The Crime / Cowboys

Zwei nette Neo-Noir-Stories, die ich mitgenommen habe, als ich einen dicken Geschenkgutschein in der Tasche hatte.

Scene Of The Crime brachte vor inzwischen auch schon 15 Jahren den inzwischen recht bekannten Autoren Ed Brubaker mit Michael Lark zusammen, einem meiner Lieblingszeichner. Das Ergebnis ist sehens- und lesenswert, alles andere wäre auch eine herbe Enttäuschung gewesen. Eine bessere Rezension, als meine eigene, findet Ihr hier: http://www.popmatters.com/feature/165827-humble-beginnings-ed-brubakers-scene-of-the-crime/

Cowboys von Gary Phillips (Text)  und Brian Hurtt (Zeichnungen) ist eine wendungsreiche schmutzige Geschichte über Schmutzige Dinge: Drogen, Korruption, Rassismus, Verrat.

Comic-Überblick 2014 (Teil 1)

Neben „richtigen Büchern“ lese ich ja auch immer noch gerne Comics. Nicht mehr so oft und regelmäßig, wie noch vor ein paar Jahren, aber immer wieder mal. Die meisten, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, sind keineswegs Neuerscheinungen, meist greife ich Serien erst mit großer Verzögerung auf. Ich bin halt wählerisch geworden, und das bedeutet oft auch, warten zu müssen.

Northlanders, Band 1: Sven, The Returned

Northlanders_2Schwer beeindruckt und positiv überrascht hat mich der erste Band von Northlanders (Text: Brian Wood,  Zeichnungen Davide Gianfelice). Wikinger sind ja in der Popkultur seit ein paar Jahren wieder total in Mode, und diese Serie, deren erste Ausgabe schon im Jahr 2008 erschien, war bei der Neubelebung zumindest ganz vorne mit dabei. Die ersten Kapitel deuten auf eine recht konventionelle Rache-Story nach dem bewährten „Verlorener Sohn kehrt heim, köpft halbes Dorf“-Muster hin, aber zum Ende kriegt die Geschichte die Kurve und gerade das Ende hat Sven, The Returned in meiner Wertschätzung steigen lassen. Wenn ich mal Zeit habe, lese ich gerne auch den nächsten Band. Insgesamt sind 50 Einzelhefte in sieben Sammelbänden erschienen.

Morning Glories, Band 1

morninggloriesv1tpcovDiese Serie von Autor Nick Spencer verbindet die beiden populären Genres des Jugenddramas und der Horrorgeschichte. Dabei bedient es großzügig die gängige sexy-Schulmädchen-Optik, ohne es eigentlich nötig zu haben, denn die Geschichte selbst ist – zumindest im bereits gelesenen ersten Band – stark genug, die Serie zu tragen. Im besten Fall ist das ja auch subversiver Trick, im schlimmsten ist die Optik vermutlich  zielgruppengerecht und gibt nur vor, auf irgendeiner Metaebene die Oberflächlichkeit und den in der Comic-Industrie allgegenwärtigen Sexismus zu kommentieren. Man kann das auch, je nach Stimmung, manchmal interpretieren und sich manchmal heimlich daran erfreuen. Jeder, wie es ihm beliebt.

In Rezensionen einschlägiger Publikationen wurde nicht selten ein Vergleich mit der TV-Serie Lost gezogen. Der Auftakt ist jedenfalls vielversprechend und ob der Vergleich auf Dauer haltbar ist, lässt sich natürlich noch nicht sagen. Ob ich soweit komme, ist eine andere Frage, auch bei Lost habe ich ja nicht bis zum Ende ausgehalten; die Auflösung kam etwa anderthalb Staffeln zu spät und vieles vorher wirkte, wie eine künstliche Verlängerung. Das Gesetz der Serie eben und es ist zu hoffen, dass Morning Glories diesem nicht erliegt, bevor die Geschichte auserzählt ist.

 Fatale

Die Crime-Spezialisten Ed Brubaker (Skript) und Sean Philips unternehmen einen unterhaltsamen Ausflug ins Horror-Genre. Dies hat mir allerdings noch nie sonderlich gelegen und im Gegensatz zu Fantasy, Science Fiction und Thrillern ist es mir damit wirklich ernst. Sieht gut aus, liest sich gut, ist aber nichts für mich.

Saga

Die neue große Science Fiction Saga von Brian K. Vaughan (Text, Y – The Last Man) und Fiona Staples (Zeichnungen) hat viele Zutaten, um mich anzusprechen, mich aber letztlich kalt gelassen. Irgendwas fehlte mir, ohne dass ich es jetzt bezeichnen kann.

Fables

Die Serie über das Leben der Märchenfiguren im Exil der modernen Welt habe ich jetzt, nach etwa zahn Jahren Pause, wenigstens soweit weitergelesen, bis enthüllt wurde, wer der böse Gegenspieler war, dessen finstere Horden Schneewittchen, den bösen Wolf und die anderen aus dem Märchenland vertrieben hat. Die Prämisse bietet noch Stoff für viele Geschichten, ist aber zum einen von der Märchenbraut geklaut, andererseits habe ich zu den amerikaniserten Versionen der Fabelwesen auch vielleicht zu wenig Bezug.