Archiv der Kategorie: Bücher

(Nicht) gelesen: R. Scott Bakker – The Judging Eye

tjeyeEin paar Jahre habe ich gebraucht, um The Judging Eye endlich anzufangen, so sehr hatte mich die Vorgänger-Trilogie The Prince of Nothing letztlich unentschlossen entlassen.  Etwa hundert Seiten habe ich dann durchgehalten, bevor ich dann frustriert aufgegeben habe.

Schon in den ersten drei Bänden, also deutlich über tausend Seiten lang, hat Bakker es geschafft, eine atmosphärisch dichte, düstere Welt mit einer facettenreichen Vergangenheit und Mythologie zu erschaffen, und dort dann eine epische Fantasy-Handlung anzusiedeln und eng mit der Welt zu verweben, die sich vor den großen des Genre eigentlich nicht verstecken müsste. Leider kommt die Geschichte stets zäh in Gang, Seite um Seite verbringen seine Charaktere mit Nabelschau, drehen jeden Gedanken drei mal um und tun sonst nicht viel. Zu einem gewissen Grad verdeutlicht das die Macht, welche der unheimliche Gottkaiser über alle hat, die seinen Weg kreuzen, aber am Ende blieb für mich immer das Gefühl, das man dieselbe Geschichte genauso stimmig, aber wesentlich spannender auf einem Drittel ihrer Länge hätte erzählen können.  Mit noch einmal geschätzt 1.900 Seiten vor mir (die letzen beiden Bände sind noch nicht erschienen), erschien mir das dann doch als Verschwendung meiner Freizeit. Schade.

thStattdessen segele ich mit Lucky Jack Aubrey und Dr. Maturin über das Rote Meer. Schon nach dem ersten Absatz fühlte ich mich zu Hause, und der stete Strom an Dialogwitz, interessanten Figuren und tatsächlich fortschreitender Handlung spült mich beim Pendeln
und vorm Einschlafen zuverlässig an den Strand der Glückseligkeit.

Gelesen: The Sleeper and the Spindle, von Neil Gaiman

Nachdem es jetzt schon fast ein Jahr im Regal stand, habe ich heute das äußert dekorative Büchlein The Sleeper and the Spindle von Neil Gaiman, illustriert von Chris Riddell, auch mal gelesen – einfach zwischendurch, binnen etwa einer Stunde.

Märchen-Mashups sind ja seit ein paar Jahren groß in Mode und Gaiman hat mit seinen Arbeiten wie Sandman oder American Gods immer wieder bewiesen, wie stilsicher er sich der Elemente klassischer Geschichten erzählerisch bewegen kann.

Gelesen: The Sleeper and the Spindle, von Neil Gaiman weiterlesen

Gelesen: Funny Girl, von Nick Hornby

Funny-GirlNick Hornby hat, wieder einmal, aus seinen eigenen nostalgischen Erinnerungen ein Buch gemacht, dass sicherlich seine Leserschaft vor allem unter Engländern einer gewissen Altersgruppe (nämlich der des Autors selber) findet. Die gute alte Zeit spielt stets eine Hauptrolle in seinen Romanen, sei es indirekt, wie bei dem großen Kind, das nicht erwachsen werden möchte, in About A Boy, oder direkter bei Schwelgereien in Erinnerungen in High Fidelity, Fever Pitch und eben jetzt Funny Girl, einer Geschichte voller Erinnerungen an die BBC Sitcoms der sechziger Jahre.

Aber Hornbys Nostalgie ist nie verklärend oder harmlos, sondern immer bittersüß und vielschichtig. So kontrastiert auch die Geschichte des Mädchens Barbara aus Blackpool, das nichts anderes möchte, als Menschen zum Lachen zu bringen, ein buntes Bild der Swinging Sixties mit einer grundkonservativen Umgebung und deren ganz eigenen Erwartungen an junge Frauen und ihre Rollen im Fernsehen und der Gesellschaft.

Das Ergebnis ist, wieder einmal, ein kurzweiliges, lustiges Buch, das nie wirklich tiefgründig wird, aber nachdenkliche Passagen in verträglicher Länge und an den richtigen Stellen enthält. Zeit- und Lokalkolorit werden schon stimmen, ich war ja nicht dabei, damals im London der Sechziger. Und, wie eigentlich auch immer bei Hornby, gibt es ein Happy End mit Abstrichen. Ein tolles Buch für den Urlaub, für das ich unseren einzigen Strandtag gut und gerne genutzt habe.

Gelesen: Bleeding Edge, von Thomas Pynchon

17208457Mein erster Pynchon und nach Aussage mancher hartgesottener Fans handelt es sich bei Bleeding Edge um „Pynchon Light“.  Mag sein, aber Bleeding Edge ist trotzdem kein zugängliches Buch. Der Autor vermengt die Internet Bubble der Jahrtausendwende, 9/11 und seine Folgen und Verschwörungskulte zu einem schillernden Porträt einer Zeit des Wandels für Amerika. Vielleicht werden junge Menschen in 30 Jahren dieses Buch lesen und davon schwärmen, was für eine aufregende Zeit es gewesen sein muss. Hoffentlich nehmen sie nicht alles zu wörtlich, denn Pynchon trägt ganz schön dick auf. Nostalgie kam bei mir nicht auf, was auch sicher nicht im Sinne des Autors wäre, Spaß hatte ich aber beim Lesen trotzdem.

 

Von Helden und phantastischen Welten

In den letzten Jahren bin ich, allen meinen vorherigen Beteuerungen zum Trotz, zum regelmäßigen Fantasy- und Science Fiction-Leser geworden. Ich hatte direkt eine ganze Reihe guter Serien entdeckt, die mich lange mit Lesestoff versorgt hatten, aber momentan ist ein bisschen Ebbe, jetzt müssen die Autoren erst mal nachliefern:

George R.R. Martin-  A Song Of Ice and Fire: ich (und Millionen andere Leser) warten auf Band 6, der  erscheint frühestens irgendwann in 2016

Patrick Rothfuss – The Kingkiller Chronicle: ich (und ein paar hunderttausend andere) warte auf Band drei, der wohl auch irgendwann in 2016 kommt

James S.A. Corey – The Expanse Series: ein Lichtblick, denn Band 5 erscheint in etwa 4 Wochen

Daniel Abraham – The Dagger and the Coin: Band 5 erscheint Anfang 2016

Zwischenzeitlich hatte ich sogar Alastair Reynolds‘ Revelation Space noch mal eine Chance gegeben, aber schon nach ein paar Seiten habe ich mich an denselbe Dingen gestört, wie beim ersten Versuch.

Eine ältere Serie von Daniel Abraham, The Long Price Quartet, rettet mich über die Zeit, ist aber kein Notstopfen, sondern absolut empfehlenswert.

Abseits davon kehre ich scheinbar alle paar Jahre mal wieder zu Superhelden-Comics zurück, wobei es diesmal ausgerechnet der phantastische Avengers-Film war (der erste, den zweiten habe ich noch nicht gesehen), der mich so entzückt hat, dass ich Mark Millars „The Ultimates“ glatt noch mal eine Chance geben wollte, obwohl die Comics schon auf dem „geht nach eBay“-Stapel lagen. Ich kenne kaum einen Comic, der gleichzeitig so brillant und so unterirdisch schlecht ist, selbst nachdem man sich auf eine fragwürdige Prämisse (Probleme löst man am besten Mann gegen Mann, Auge um Auge und Zahn um Zahn) eingelassen hat. Millar, immer schon ein Mann fürs Grobe im Feinen und andersherum, de-konstruiert einerseits das Superhelden-Genre, stellt die Führungsrolle und moralische Integrität der USA in Frage, liefert eine spannende Story mit großen Momentan ab – und scheitert dann doch an Konventionen.
Am Ende finden die Helden Erlösung von allen Zweifeln und Bestätigung ihrer kleinen Eitelkeiten. Dann schenkt der Autor auch noch George W. Bush (bei Veröffentlichung noch amtierender Präsident) einen Gastautritt als echter Kerl. Vielleicht hält der gebürtige Schotte Millar alles andere im Hinblick auf die Hauptzielgruppe (16-20-jährige weiße, männliche US-Amerikaner) für aussichtslos, aber von dieser Seite des Atlantiks und der Altersgrenze wirken The Ultimates halbherzig und letztlich als eine Rechtfertigung, jegliche Kritik an den herrschenden Zuständen beiseite wischen zu können. Man muss sich fragen, was Warren Ellis oder Grant Morrison mit dem Thema angestellt hätten. Oder, dringender noch, was das im Rückblick für Millars eigene Arbeiten an The Authority bedeutet.
Stattdessen freue ich mich jetzt erst mal auf einen neuen Powers-Band von Brian Michael Bendis und Michael Avon Oeming.