Gespielt: A Song of Ice and Fire RPG

Während im Fernsehen die siebte Staffel uns den Anfang vom Ende der Saga zeigt (Spoiler: der Winter ist da!), haben wir ein paar lustige Abende mit dem Einführungs-Set des A Song of Ice and Fire Rollenspiels verbracht. Dieses von Green Ronin verlegte System führt die Spieler in die Welt von Westeros in eine Zeit, kurz bevor die Handlung der Bücher einsetzt. Robert sitzt auf dem Eisernen Thron, die Targaeryens sind fast vergessen und die Adelshäuser der Sieben Königreiche leben in relativem Frieden miteinander. Was in dieser Welt natürlich nur bedeutet, dass kein offener Krieg herrscht.

Wir haben den im Jahr 2008 veröffentlichten Schnellstarter gespielt, der ein eingeschränktes Set an Regeln, ein kurzes Abenteuer und sechs vorgefertigte Charaktere beinhaltet.

Die Regeln sind kurz gehalten und dadurch gut überschaubar. Die Mechanismen eingängig. Gewürfelt wird bei Proben mit W6 gegen eine Zielzahl und mit besonders guten Ergebnissen kann man, je nach Situation, eine bessere Wirkung erzielen. Erwähnenswert ist, dass es anstatt der klassischen Aufteilung zwischen Attributen und Fertigkeiten nur ein recht offen gelassenes Gerüst an Eigenschaften gibt, die dann durch Spezialisierungen vertieft werden können.

Das Prinzip überträgt sich gut auf das Kampfsystem, welches aber zumindest im Schnellstarter einigen Spielern wohl zu wenige Individualisierungsmöglichkeiten bieten mag.

Ales Besonderheit empfanden wir auch, dass im Kampf Lebenspunkte, bzw. das Reduzieren derselbigen beim Gegner, nicht so sehr im Vordergrund stehen, denn wer Schaden nimmt, hat taktische Optionen zur Verfügung, diesen zu vermeiden, was natürlich mit Nachteilen verbunden ist.

Physische Auseinandersetzung ist selbstverständlich auch nur eine Möglichkeit, Konflikte auszutragen, und oft nicht die beste, selbst in Westeros. Auch die Buchvorlage lebt ja nicht so sehr von den Schlachten und Duellen, sondern den oft unsicheren, wechselnden Loyalitäten und dem Netz der Intrigen, welches sich über die Welt erstreckt.

Über das in anderen Systemen übliche Maß hinaus, durch Fertigkeiten wie Redegewandtheit seinen Gegenspieler zu etwas zu bewegen, bietet  A Song of Ice an Fire ein stark an das Kampfsystem angelehntes Regelwerk zur Abhandlung von Intrigen. Vom Aushandeln eines Preises für eine Mahlzeit über Verführung bis zum Schmieden von Allianzen soll sich damit abbilden lassen, wie eine Figur im Spiel der Throne eine anderer ihr zu Willen sein lässt.

 

Passend dazu setzt das Spiel in gewisser Weise voraus, dass die Charaktere der Spieler einem gemeinsamen Haus angehören bzw. dieses darstellen, und statt des eigenen Glücks stets das ihres Adelshauses im Kopf haben. 

Das kann, mit den passenden Abenteuern, einem guten Spielleiter und einer entsprechend motivierten Gruppe bestimmt großartig sein. Soziale Unterschiede, z.B. zwischen Lord und Diener, sind immer Futter für gutes Rollenspiel. Damit kann man sicher tolle, vielfältige Kampagnen gestalten, und wenn man die Zeit investiert, kann das ein ganz besonderes Rollenspielerlebnis sein. Für ein kleines Abenteuer zwischendurch taugt es nicht so sehr, aber dafür wurde es auch eindeutig nicht gemacht.

Getreu des Settings der Bücher und TV-Serie, kommt Magie nicht vor. Das scheint nach einem Blick ins Inhaltsverzeichnis des kompletten Regelwerks sich auch dort nicht zu ändern.

Das Schnellstarter-Set, welches nur auf Englisch veröffentlicht wurde, ist angenehm kurz und knapp gehalten und zum Einarbeiten auch für den Spielleiter einigermaßen gut strukturiert. Nur wenn ich laufenden Spiel schnell etwas nachschlagen wollte war es nie dort, wo ich es vermutet hatte. Aber es ist eben auch dünn genug, dass man beim Durchblättern alles schnell genug findet.

Eine Enttäuschung ist das enthaltene Abenteuer, das zu generisch daherkommt, um die Welt, den Hintergrund oder den besonderen Reiz, der durch die Intrigen und die Beziehung der Angehörigen eines Hauses untereinander entstehen kann, zu transportieren. Zu einem wichtigen NPC fehlten zudem in meiner Version die Daten.

Trotzdem hatten wir zwei Abende lang viel Spaß, und andere Gruppen könnten das Abenteuer vermutlich auch in einer einzigen, längeren Sitzung von ca. 5 Stunden spielen.

Den Schnellstarter findet Ihr hier: http://freeronin.com/gr_files/SiF_Fastplay.pdf 

Übrigens: wer die Geschicke eines Hauses in Westeros bestimmen möchte, aber keine Mitspieler oder einen passenden Spielleiter findet, sollte sich die Computerspieladaption zu Game of Thrones von Telltale Games ansehen. Nicht jedermanns Sache und technisch nicht mit Toptiteln vergleichbar, aber es erzählt eine spannende Geschichte parallel zur Fernsehserie, auf stimmungsvolle nd stimmige Weise.
Gibt es auf Steam immer wieder mal für unter 10 Euro.

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