Für Euch gesehen: Star Wars VII (keine Spoiler)

Am Donnerstag war ich vormittags im Kino, ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten …

Ich bin mit Star Wars groß geworden und hatte irgendwie mitbekommen, dass da ein neuer Film raus kam. Nach der Enttäuschung der drei „Prequels“, welche die Vorgeschichte der mit seit der Kindheit ans Herz gewachsenen Original-Trilogie erzählten, konnte ich ein Rest-Bangen nicht ganz unterdrücken, wenn auch nicht zu erwarten war, dass Episode VII – Das Erwachen der Macht ein totaler Reinfall würde. Im Zeitalter des Social Internet könnte es sich Disney, denen das Star Wars Universum mittlerweile gehört, gar nicht leisten, einen Film herauszubringen, der bei den hartgesottenen Fans durchfällt. Denn Star Wars braucht seine Verankerung in der bestehenden Fan-Szene, um sich von anderen Kino-Blockbustern abzusetzen.

Mit meiner Beurteilung musste ich mich nach dem Kinobesuch zunächst zurückhalten. Zu groß war die Versuchung, den neuen zum „besten Star Wars Film aller Zeiten“ zu erklären. Denn was den besten Film für jeden Einzelnen ausmacht, und auch warum, ist natürlich immer unterschiedlich. Auf jeden Fall ist „Das Erwachen der Macht“ aber der richtige Star Wars Film für unsere Zeit.

Regisseur J.J. Abrams, der zuletzt Star Trek im Kino neues Leben eingehaucht hatte, gelingt ein Balanceakt zwischen Fortsetzung und Remake. Einerseits ist klar, dass hier die bisherige Geschichte weitererzählt wird; vertraute Charaktere treten um 30 Jahre gealtert wieder auf, Vader ist wirklich tot und das Imperium besiegt. Auf der anderen Seite entwickelt die Handlung  so starke Parallelen zu Episode IV, dass es fast wie eine Neuerzählung anmutet. Abrams ist es gelungen, dieses Kunststück hinzubekommen, ohne etwas zu verbiegen. Aber vor allem den  durchweg guten Darstellern ist es zu verdanken, das das Ergebnis frisch wirkt.  Man hätte viel falsch machen können und zumindest SPIEGEL Online gibt sich in der  ersten Rezension auch sehr zurückhaltend, aber in meinen Augen wurde viel richtig gemacht.

Eine der größten Errungenschaften dieses Films ist es, das „die Guten“ dieses Mal wesentlich cooler sind, als „die Bösen“. Das soll die Leistung vor allem von Adam Driver nicht schmälern, der vor allem durch seine Körpersprache seine Szenen dominiert, und der dem Charakter des Kylo Ren eine Glaubwürdigkeit verleiht, die in Star Wars selten ist. Aber jenseits der pseudo-faschistischen Ästhetik und der wirklich tollen neuen Strumtruppen-Rüstungen, sind die Schurken einfach nur böse und gemein. Auf der anderen Seite holt Harrison Ford als  Han Solo noch mal alles raus und grantelt als gealterter Weltraum-Trucker vor sich hin. Der kleine Roboter BB-8  hat das Zeug, dem ewigen Fan-Liebling R2-D2 den Rang abzulaufen und war für mich die größte positive Überraschung. Zu tief war der Schock, den Jar-Jar Binks ausgelöst hatte. Höhepunkt ist aber Daisy Ridley als Rey, die ihrer Figur gleichermaßen Zähigkeit und Verletzlichkeit verleiht. Eine  Heldin, die von niemandem an die Hand genommen werden muss, die aber auch ihre Gefühle nicht hinter einer Maske verstecken muss, ist nicht nur für das Star Wars Universum eine Seltenheit.

Optisch, das sei nur am Rande erwähnt, ist es ein Fest.

Star Wars hat sich mir und vieler anderer schon immer einer objektiven Bewertung entzogen. Natürlich war die Geschichte inhaltlich und strukturell immer ein wenig simpel, durch die Löcher in der Logik könnte man mit einem Sternzerstörer durchfliegen, und Subtilität war nie gefragt. Trotzdem hatten die Star Wars Filme, mit wenigen Ausnahmen, es über 35 Jahre immer wieder geschafft, irgendetwas in mir anzusprechen. Dabei standen letztlich nicht die großen Schlachten und Verfolgungsjagden im Mittelpunkt, auch wenn diese immer spektakulär waren. Es war immer die Schicksalsverbundenheit der Figuren, die oft ungewollt Teil von etwas Größerem wurden, die mich in den Bann der Abenteuer zogen. Daher habe ich bisher eigentlich immer Episode IV, den ersten Film, als meinen Favoriten betrachtet. Inzwischen ist das nicht mehr so klar. Vermutlich werde ich noch einige Wiederholungen brauchen, aber Episode VII ist ein ernsthafter Kandidat, „mein bester Star Wars Film“ aller Zeiten zu werden, und mir wird ein bisschen schwindelig bei dem Gedanken, was da noch kommen könnte.

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