Admirals Order: Close Action

Nachdem wir die Grundprinzipien des Spiels jetzt mehr oder minder gemeistert  hatten, gab es jetzt Gelegenheit,  eine weitere Regelebene kennenzulernen: den Kampf zweier Schiffe auf engstem Raum. Dafür gibt es in der Einsteigerbox ein gut geeignetes Szenario. Am 21. April 1798 versuchte das französische Linienschiff Hercule (74 Kanonen) die englische Blockade um Brest zu durchbrechen, um die dort liegende Flotte zu verstärken. Wegen der starken Strömung konnte die Hercule die Fahrrinne an der Mündung der Seine nicht passieren, bevor die englischen Verfolger zu ihr aufschließen, und Kapitän L’Héritier entschloss sich, in der Passage zu ankern, um in guter Verteidgungsposition den  Angriff der Mars (74) und der weit zurückliegenden Jason (38) abzuwarten.

Mehr zum historischen Hintergrund gibt es bei Wikipedia.

Das an dieser Stelle einsetzende Spielszenario ist auf vier Runden beschränkt, das entspricht zwei Stunden im Spiel, hinterherhängende  englische Verstärkungen spielen daher keine Rolle. Es bleibt ein ausgeglichener Kampf zwischen zwei gleichstarken Schlachtschiffen. Wird es den Franzosen zum Vorteil gereichen, dass sie zu Beginn in der starken Strömung vor Anker liegen?

Runde 1

Startposition Mars vs. Hercule
Startposition

Auf jeden All versucht die Hercule, diesen initialen Vorteil auszunutzen. Dank höherer Initiative darf sie sich zuerst bewegen, dreht sich am Anker um 60° und eröffnet das Feuer auf den Bug der sich nähernden Mars. Hier stellt sich direkt die Frage, ob auf den Rumpf oder die Takelage gefeuert werden soll. Je nach Ergebnis könnte das die Handlungsmöglichkeiten der Mars später im Spiel deutlich verringern, wenn Aktionskarten je nach Anzahl der Masten und des Schiffszustands gezogen werden. Letztlich wird auf die Masten geschossen, denn die Chance, einen davon komplett zu zerstören und die Mars zu verlangsamen, stehen gar nicht schlecht. Das Ergebnis ist durchwachsen, die Salve verursacht einigen Schaden, hat aber keinen Effekt auf die See- und Kampftauglichkeit der Mars (Schaden: 3 Ship, 2 Rigging).

Der Kapitän der Mars will sein Glück auf jeden Fall schnellstmöglich im Nahkampf suchen und sieht keine Möglichkeit, vorher eine Breitseite abzugeben. Eher aus Trotz erwidert er das Feuer aus den beiden vorwärts gerichteten 9-Pfünder-Kanonen, macht leichten Schaden (1R) in der Takelage, allerdings bricht in der Folge an Bord der Hercule ein Feuer aus.

Dabei schießt die Mars weiter auf ihren Gegner zu, kommt nah genug, dass sich die an der Reling versammelten Besatzungen direkt bekämpfen können. Die französischen Matrosen werfen Granaten auf das Deck der englischen Schiffes und unterbinden damit, was immer dessen Kapitän im Sinn hatte (Schaden: 2 Crew, 2 Rigging). Unbeirrt rast die Mars weiter vorwärts und rammt die Hercule mittschiffs, beide tragen einige Schäden davon (Mars: 2R, 5S, Hercule: 1R, 4S), die Mars verliert ihren Fockmast und ihr Bugspriet verheddert sich mit der Takelage der Hercule, die Schiffe sind nun aneinander gebunden.

Endposition Mars vs. Hercule
Endposition nach nur einer Runde

Während die englische Mannschaft sich zum Entern bereit macht und dabei auch noch den letzten Mann aus den Wanten holt, feuert die Hercule mit Kartätschen ein paar Ladungen Schrot in die sich versammelnden Entermannschaften, was den Angiffsversuch im Keim erstickt. Die ebenfalls  mobilisierten französischen Seeleute haben keine Mühe, nun ihrerseits zu entern und ihre völlig desorientierten Gegner niederzuringen. Schon nach wenigen Minuten müssen die Engländer die Segel streichen und sich ergeben. Noch ist die Gefahr allerdings nicht vorbei, denn weiterhin lodern die Flammen an Deck der Hercule. Wenn auch nur ein Funke das Pulvermagazin erreicht, wenn im Getümmel auch nur ein unachtsamer Matrose eine kleine Ladung Pulver an Deck verstreut hat, droht beiden Schiffen, Sieger und Verlierer, die ultimative Katastrophe. Eine Pulverexplosion würde sicherlich beide Schiffe in Stücke reißen und den französischen Triumph in eine Tragödie verwandeln.

Aber das Glück ist den in ihren Bemühungen vereinten beiden Mannschaften hold und es gelingt im letzten Augenblick, das Feuer zu löschen. Nun können die Franzosen die Mars in Besitz nehmen und mit nunmehr zwei Schlachtschiffen die herannahenden englischen Verstärkungen erwarten, doch unsere Partie ist an dieser Stelle vorbei.

Fazit:

Nach einigem Hin und Her, viel Nachlesen in den Regeln und einem aufwändigeren Zurücksetzen nach einem unerlaubten Zug, ging das Auflösen der Close Action sehr schnell. Es bleiben ein paar Fragen bezüglich der korrekten Ausspielung einiger Aktionen, und allgemein war zu merken, dass beide Spieler mit der Mechanik, ihren jeweiligen Möglichkeiten und den möglichen Konsequenzen ihrer Handlungen noch nicht vertraut waren. Sonst wäre es sicher nicht zu dem gegenseitigen Enter-Versuch gekommen, in dem der Engländer in Ermangelung guter „Support Action Cards“ von vornherein keine Chance hatte.

Die erste und einzige Breitseite, welche die Hercule auf die Mars abgab, hatte letztlich genauso wenig Einfluss auf das Geschehen, wie das Gegenfeuer aus den Bugkanonen des englische Schiffes.
Aber für den Franzosen war seine Aktion ein Freischuss, während der Engländer sich die Möglichkeit genommen hat, später in der Runde ebenfalls eine Breitseite abzugeben – wozu er allerdings nach dem Verlauf des Gefechts auch nie eine Gelegenheit gehabt hätte.

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