Oder bei Obi

Foto (1) Wenn man kleine Kinder im begeisterungsfähigen Alter hat, die anfangen, sich für die gleichen Dinge zu interessieren, die man als Kind selber mochte, ist das eine einmalige Gelegenheit, selber wieder ein bisschen zum Kind zu werden, ohne dafür allzu seltsam angeschaut zu werden. Wenn ich  also mal bei eBay ein paar Star Wars Figuren ersteigere (meine eigenen alten sind immer noch nicht wieder aufgetaucht), sorgt das im Büro zwar immer noch für ein Schmunzeln und einen Spruch „Ja klar, alles nur für die Kinder …“, aber es bewegt sich im Rahmen des sozial Akzeptablen. Es mag natürlich helfen, dass ich in der IT-Branche arbeite.

Das meiste landet dann aber auch natürlich direkt in den Händen der Kinder. Diejenigen Lego Figuren, die ich im Schlafzimmer aufbewahre, kriegen sie später auch. Ganz bestimmt. Bis auf zwei oder drei.

Nicht vorbeigehen kann ich derzeit an Obi-Wan Kenobi Figuren, die den alten Krieger in seiner Zeit als General der Republik zeigen, in einer Mischung aus Jedi-Robe und Ganzkörperrüstung, wie die Klonsoldaten sie tragen und die schon das ikonische Design der Imperialen Sturmtruppen andeutet. In den Filmen ist er, als junger Mann gespielt von Ewan McGregor, in diesem Aufzug nie zu sehen und für die animierte Serie The Clone Wars kann ich mich nicht erwärmen. Star Wars war nie subtil und ich bin zwar ein Vierzigjähriger, der sich Spielzeug kauft, aber Ansprüche lassen sich nicht beliebig herunterschrauben. Neben der zu simplen Erzählung störe ich mich auch am Design der Figuren. Umso begeisterter war ich, gleich mehrere Figuren zu entdecken, die ihn in diesem Outfit zeigen, in der Darstellung aber realistischer sind und sich dabei an McGregor orientieren.

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Jetzt hat Alexander einen bekommen (Bild oben), das war sein größter Wunsch, und eine andere Variante liegt originalverpackt bei mir im Schrank. Soll ich den jetzt auspacken, oder nicht?

Eine andere Frage ist, warum ausgerechnet Obi-Wan zu meiner Lieblingsfigur aus der Saga geworden ist. Ich hatte ja immer schon ein Herz für Nebenfiguren, und gerade in der originalen Triologie ist Obi-Wan/Ben ja nichts anderes, er dient ganz bestimmten Zwecken und sein Hintergrund wird immer nur angedeutet. Über den erfährt man dann mehr in den drei Prequels, aber dort entsteht auch ein wenig der Eindruck, dass Obi-Wan nicht ganz unschuldig ist an dem Übel, das der Galaxis widerfährt. Das Web ist voll von guten und schlechten Begründungen, z.B. http://www.ign.com/articles/2013/03/23/10-reasons-why-star-wars-obi-wan-kenobi-is-a-serial-jerk

Während die Filme 1 bis 6 natürlich vor allem die Geschichte vom Aufstieg, Fall und Erlösung des Anakin Skywalker erzählen, wirkt Obi-Wan an vielen entscheidenden Stellen als eine art Katalysator. Er macht erst Anakin und später Luke mit der Macht vertraut, er verpasst zumindest die Gelegenheit, Anakin auf seinem Weg zur dunklen Seite aufzuhalten und schubst ihn schließlich sozusagen über die Ziellinie und letztlich manipuliert er seinen neuen Schützling, gegen den eigenen Vater zu kämpfen.

Das er dabei in den Filmen nicht als Schurke erscheint, liegt aber auch daran, dass er stets für etwas steht, dass er und mit ihm der Zuschauer, als etwas höheres empfindet als das Wohl des Individuums, und dass er sich diesem höheren Wert selbst vorbehaltlos unterwirft, dabei aber nie die Fähigkeit verliert, Mitgefühl zu empfinden. Als alter Einsiedler  trägt er sichtbar an dem Wissen um die Konsequenzen seiner Taten und verleiht der Figur des gealterten Kriegers damit eine besondere Note. Dennoch zögert er nicht, im Namen einer höheren Macht konsequent seinen Weg weiter zu verfolgen. Er verkörpert für den Zuschauer die Ideale der Jedi.

Hinzu kommt auch, dass inmitten des teilweise unerträglichen Kitsch der Prequels Ewan McGregors schauspielerische Leistung positiv heraussticht und dabei hilft,  mich als Fan der alten Filme mit der Umsetzung der Vorgeschichte zu versöhnen.

PS: Im Zuge der Recherche für dieses Post habe ich auch das hier gefunden, vielleicht interessiert des den einen oder anderen: http://dramatica.com/analysis/star-wars

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